STOLPERSTEINE IN FREIBURG

 

FRANZ ANTON STREIT

261 | Sedanstraße 12, 79098 Freiburg (C)

 

FRANZ ANTON STREIT wurde am 5. Januar 1879 geboren. Seine Eltern hießen Julius und Maria Streit. Der Vater starb bereits vor dem Ersten Weltkrieg, die Mutter 1941. FRANZ ANTON STREIT war dreimal verheiratet, in dritter Ehe ab 1930 mit Johanna, geborene Gutjahr. Seine anderen Frauen waren beide bei der Geburt ihres ersten Kindes gestorben. Die Söhne aus diesen Ehen hießen Franz Julius (*1923) und Paul (*1928). Mit seiner Frau Johanna bekam er 1930 den Sohn Hans.

 

In der Sedanstraße 12 in Freiburg führte FRANZ ANTON STREIT eine Lebensmittelhandlung mit Kaffeerösterei. Da er als „arisch“ eingestuft wurde, musste er sein Geschäft nicht abgeben. Dennoch wurde er von den Nazis verfolgt, weil er seit 1925 Zeuge Jehovas war. Er galt als eine zentrale Figur dieser Glaubensgemeinschaft in Freiburg. Von seinem Laden aus wurden die Schriften der Wachtturmgesellschaft verteilt.

 

Nach dem Verbot der Zeugen Jehovas am 15. Mai 1933 versteckte er dort die nun auch verbotene Literatur. Zudem unterwarf er sich in seinem Geschäft nicht den nationalsozialistischen Regeln. FRANZ ANTON STREIT grüßte beispielsweise nicht mit „Heil Hitler“. Dadurch wurde die Lehre, die sein ältester Sohn Franz Julius bei ihm machte, nicht anerkannt, aber auch die Kunden blieben aus.

 

Im gleichen Haus wohnte ein Parteigenosse der NSDAP, der seine Aktivitäten kritisch beobachtete und wohl auch meldete. Als die Nazis 1936 begannen, die Zeugen Jehovas massiv zu verfolgen, wurde FRANZ ANTON STREIT als einer der ersten verhaftet. Am 31. August 1936 war er gemeinsam mit Freiburger Glaubensschwestern und -brüdern auf dem Rückweg von einem Kongress der „Ernsten Bibelforscher“, wie sich die Zeugen Jehovas damals noch nannten, in Luzern/Schweiz. Fast alle wurden an der Grenze verhaftet. FRANZ ANTON STREIT saß in Freiburg fünf Monate in Untersuchungshaft, bis ihm am 1. Februar 1937 in Mannheim der Prozess gemacht wurde. Das Gericht verurteilte ihn zu einem Jahr und sechs Monaten Haft, seine Frau Johanna zu fünf Monaten. Überraschend erhielt er Hafturlaub, während sie ihre Strafe absitzen musste, damit er in dieser Zeit den Betrieb weiterführen konnte.

 

1938 wurde FRANZ ANTON STREIT erneut verhaftet und  in das KZ Dachau deportiert. Von dort aus brachte man ihn erst in das KZ Mauthausen und dann in das KZ Buchenwald, wo er die Häftlingsnummer 6581 erhielt. 1941 bekam er im KZ die Nachricht, daß seine Mutter Maria gestorben war. Sein ältester Sohn Franz Julius wurde im Oktober 1941 zum Reichsarbeitsdienst verpflichtet und im März 1942 zum Wehrdienst einberufen. Er wollte nicht aus Gewissensgründen den Militärdienst verweigern, wie die Zeugen Jehovas es normalerweise taten, weil sein Vater seit Jahren inhaftiert war und er Angst um ihn hatte. Da er jedoch früh eine Granatsplitterverletzung erlitt, wurde er danach nur noch in der Schreibstube eingesetzt und überlebte so den Krieg.

 

Das Haus in der Sedanstraße wurde beim großen Bombenangriff auf Freiburg am 27. November 1944 völlig zerstört. FRANZ ANTON STREIT überlebte jedoch die Torturen der Lagerhaft und wurde am 11. April 1945 aus dem KZ Buchenwald befreit. Er starb 1962 im Alter von 83 Jahren. Zu der Verlegung seines STOLPERSTEINs im Januar 2005 kamen mehr als 45 Menschen, auch seine Enkelin Simone Streit.

 

 

STOLPERSTEIN-Verlegung für FRANZ ANTON STREIT im Januar 2005.

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