STOLPERSTEINE IN FREIBURG

 

DR. PAUL NOETHER

223 | Bürgerwehrstraße 11, 79102 Freiburg (A)

 

DR.PAUL NOETHER wurde am 4. Januar 1880 in Mannheim geboren. Er war verheiratet mit DR.MARIE NOETHER, geborene Maas. Sie hatten gemeinsam die Zwillinge Rolf und Edith (* 13. September 1908), die beide den Nazi-Terror in England überleben konnten.  PAUL NOETHER  war Doktor der Philosophie und Professor an der Freiburger Universität. Er war verwandt mit der berühmten Mathematikerin Emmy Noether. Als »sportlichen Mann« und »guten Autofahrer« hat ihn ein Neffe in Erinnerung. 1933 wurde er vom damaligen Rektor Martin Heidegger entlassen. Seine Laboratorien durfte er nicht mehr betreten. Für den erfolgreichen Chemiker, der ein noch heute gebräuchliches Medikament gegen Magenschmerzen entwickelt hatte, muß das eine furchtbare Kränkung gewesen sein. Fühlte er sich doch als „assimilierter Deutscher“, der im Ersten Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden war. Nun sollte er plötzlich nicht mehr dazugehören zu dieser Gesellschaft, mit der er sich vollkommen identifizierte.

 

Am 6. April 1934 nahm er sich in der Schweiz das Leben. »Aus Scham, daß er Jude war«, befindet David Blumenthal. Der Professor für Judaistik aus Atlanta im US-Bundesstaat Georgia ist verheiratet mit Ursula Blumenthal, einer Enkelin von Paul Noether. Ihren Großvater hat die 1940 Geborene nie kennengelernt.  Auch über die Familiengeschichte im Zusammenhang mit dem Nazi-Terror hat sie kaum etwas erfahren.  Die Judenverfolgung in Deutschland sei ein absolutes Tabu gewesen in ihrer Familie. Bis heute. So berichtet sie. Deshalb sei ihre in der Schweiz lebende Mutter, PAUL NOETHERs Schwiegertochter, entschieden gegen den STOLPERSTEIN, weil er das schamhaft gehütete Geheimnis öffentlich mache. Ursula Blumenthal dagegen ist dankbar für die Erinnerung an und die Geschichten über ihren Großvater.  Bei der Verlegung des Steins in der Bürgerwehrstraße 11 waren sie und ihr Mann dabei. Einerseits ist sie froh über den neuen Gedenkstein und gleichzeitig ist sie irritiert, daß »man jetzt wieder mit Füßen auf ihn tritt«.

 

Der Neffe WE. Norton (ehemals Noether) aus London schrieb einmal: »Als ich im Alter von [unleserlich] war, erlebte ich den Selbstmord in der Schweiz von Onkel Paul (DR.PAUL NOETHER). Dort ging mein Vater hin und nach der Bestattung brachte er die Asche nach Freiburg in einer Urne im Gepäckregal über seinem Sitzplatz. [ ... ] Danach nahm Tante Auguste Noether ... sich das Leben am 17. März 1935. Da war ich noch in Mannheim. Tante Regina tat es dann in Gengenbach. Es waren wahnsinnige Zeiten, in denen ich aufwuchs.«

 

 

Stolpersteinverlegung für DR.PAUL NOETHER im Juli 2004.

 

 Quellen: 7, 14, 16, 39

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