STOLPERSTEINE IN FREIBURG

MEIER FRIEDRICH BLOCH

MEIER FRIEDRICH BLOCH kam am 5.September 1888 in Ihringen zur Welt. Er erlernte das Bäckerhandwerk und betrieb in Freiburg in der Breisacher Straße 15 (heute Colmarer Straße 8) eine Bäckerei, wo er mit seiner Frau LYDIA BLOCH und Tochter Gertrude von 1933 bis 1935 auch wohnte. Danach zog die Familie in die Eschholzstraße 84. Hier  wohnte in der Zeit von 1936 bis 1938 unter der Woche auch ihre Nichte Renate Haberer-Krauss bei ihnen, weil Kinder mit jüdischer Religion schon nicht mehr in öffentliche Schulen gehen durften. Ihre Familie lebte nach dem Nazi-Terror in den USA. Die Bäckerei musste unter der Nazi-Herrschaft an "Arier" verkauft werden. Am 11.November 1938 wurde MEIER FRIEDRICH BLOCH verhaftet und in das KZ Dachau deportiert. Bei seiner Verhaftung soll er 9,69 Reichsmark bei sich gehabt haben. Er bekam im KZ die Gefangenennummer 20981. Nach seiner Rückkehr musste er sein gesamtes Vermögen abgeben. Am 22.Oktober 1940 wurde er erneut verhaftet und deportiert, diesmal in das Lager/Camp Gurs am Nordrand der Pyrenäen. Über das KZ Drancy wurde er mit dem Konvoi Nr.19 am 14.August 1942 in das KZ Auschwitz weiter deportiert, wo er im Alter von 54 Jahren ermordet wurde.

Renate (sie nannte sich später auch Renee) Haberer-Krauss berichtet in einem Brief über ihren Onkel Friedrich:

"Er war ein 1,80 Meter großer, gut aussehender, stattlicher Mann mit den schönsten weißen Haaren, die man sich vorstellen kann. Vor dem Ersten Weltkrieg studierte er Medizin in Freiburg, ging dann als Freiwilliger in den Krieg, wurde verschüttet und war nie mehr derselbe. Er wurde Bäcker und die schöne große Bäckerei Bloch befand sich an der Breisacher Straße. Die Bäckerei ging ganz ums Haus herum. Mein Onkel war die Güte in Person. Wegen der Verschüttung ging er ein bisschen langsam. Er hatte die Geduld eines Engels und liebte Kinder (besonders seine Trudel und mich). Jeden Tag machte er meine Aufgaben mit mir und lehrte mich Zeitung lesen. Wenn ich bös war und wenn ich meinen Teller nicht leer aß, musste ich ins Bett. Aber mein Onkel Friedrich ist immer mit einem kleinen Stück Schokolade in mein Zimmer geschlichen, um mir einen Kuss zu geben und "Gute Nacht" zu sagen. Er war sehr religiös, hatte aber Verständnis für alles und war offen. Im Lager (Gurs) besuchte er die alten Männer und las ihnen vor. Er sprach ein wunderbares Deutsch und konnte die "Lorelei", den "Erlkönig" und "Nach Frankreich ritten zwei Kavaliere" etc. vorsagen wie kein andrer." (Quelle 78)

Über die Ehe von Lydia Bloch und Meier Friedrich Bloch sagte die Nichte, dass sie eine liebevolle Ehe führten und sich "sehr, sehr gut verstanden". Renate (Renee) Haberer-Krauss ergänzte in einer E-Mail vom 9. September 2005:

"1933 versuchten Verwandte meines Onkels aus Colmar, Paris und New York, die Blochs zur Auswanderung zu bringen. Lydia und Friedrich Bloch reichten die Anträge ein und sie bekamen eine Nummer, sie saßen beim Konsul, zum Unterschreiben bereit. Sie guckten sich an und sagten wie aus einem Mund: »Wir bleiben daheim«. Friedrich Bloch war im Ersten Weltkrieg, wurde verletzt, sie fühlten sich ganz als Deutsche und sagten: »Keiner tut uns was.« Der älteste Sohn war im Ersten Weltkrieg gefallen und die Familie lebte seit 1700 als treue Bürger in Deutschland. Die Firma Bloch, Bäckerei in Ihringen, gab es seit Ende 1700.

  • Stolpersteinverlegung für MEIER FRIEDRICH BLOCH im Januar 2005, zwei Wochen später gab es anlässlich des Besuchs seiner Nichte und ihres Mannes eine Gedenkfeier am Stolperstein.

Quellen 1, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 10, 12, 14, 16, 17, 39, 78

  • ≡