STOLPERSTEINE IN FREIBURG

 

 

MAXIMILIAN LIEBERS

155  | Salzstraße 7, 79008 Freiburg | (A & D)

MAXIMILIAN (auch Max) LIEBERS wurde am 12. September 1856 in Prag geboren. Zusammen mit seiner Frau Rosa, geborene Levy, ebenfalls in Prag zur Welt gekommen, lebte er in Freiburg im dritten Stock des eigenen Hauses in der Salzstraße 11, heute Salzstraße 7. Sie hatten zwei Töchter, IRMA und SELMA, verheiratete ZIMMERMANN.

 

Ab 1881 führte er das Musikhaus „Max Liebers“, das bereits 1854 von seinem Vater Max gegründet worden war. Zu dieser Zeit war es jüdischen Menschen noch nicht erlaubt, in Freiburg zu wohnen. Erst durch die Liberalisierung 1862 konnten Menschen jüdischer Religion in Freiburg Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt werden. Fast 300 Jahre lang war das zuvor nicht möglich gewesen. Nach MAXIMILIAN LIEBERS leitete seine Tochter SELMA ZIMMERMANN das Geschäft. Sie musste das Musikhaus Liebers am 1. Juni 1938 zwangsverkaufen an Karl Schropp. So ein „Verkauf“ wurde nach der damals vorherrschenden Willkür gegenüber Menschen mit jüdischer Religion „Arisierung“ genannt. Nach einer Meldung der Nazi-Zeitung „Der Alemanne“ vom 1. April 1933 soll MAXIMILIAN LIEBERS aber bereits am 16. Dezember 1926 aus der Freiburger Jüdischen Gemeinde ausgetreten sein. Seine Frau war, wie es zu der Zeit durchaus üblich war,  nicht eigenständig in den Einwohnerlisten Freiburgs aufgeführt und war wohl zur Zeit des Nazi-Terrors schon gestorben.

 

Als wohlhabender Bürger der Stadt Freiburg hat MAXIMILIAN LIEBERS wiederholt sehr große Summen für die notleidende Bevölkerung gespendet um Hilfe zu geben im Nachkriegsdeutschland des ersten Weltkriegs um Hunger und Armut abzumildern.

 

Auch Hilfestellung anderer Art bot MAXIMILIAN LIEBERS an. Kathrin Clausing schreibt in ihrem Buch:„Veranstaltungsort für Konzerte (jüdischer Künstler M.M.) war ...oft der Musiksaal der Musikalienhandlung Max Liebers, deren Inhaber  (MAXIMILIAN LIEBERS  M.M.) schon 1926 aus der Jüdischen Gemeinde ausgetreten war.“  Die Demütigung und Verfolgung durch die Nationalsozialisten  der jüdischen Menschen in Freiburg ließ diese doch enger zusammenrücken und sie gaben sich gegenseitige Unterstützungen.

 

Nach der   Reichspogromnacht im November 1938 wurde MAXIMILIAN LIEBERS verhaftet und in die Kreispflegeanstalt Freiburg gebracht. Er war angesichts des Synagogenbrandes, der Demolierung des Jüdischen Gemeindehauses und der vielen Verhaftungen  jüdischer Männer am 10.November 1938 in Freiburg völlig verwirrt und hatte auf offener Straße einen Nervenzusammenbruch. Von der Kreispflegeanstalt Freiburg deportierte man ihn in die Psychiatrie  Geislingen, wo MAXIMILIAN LIEBERS im Alter von 82 Jahren durch Medikamente ermordet wurde.

 

Im Staatsarchiv Freiburg, in den Unterlagen zum Euthanasie-Prozess 1947/48, findet sich eine Aussage von Wilhelm Späth, dem damaligen Leiter der Kreispflegeanstalt Freiburg, der sich nach dem Krieg an diese Deportation erinnerte: „Zur Zeit der Synagogenstürmerei brachte die Polizei von Freiburg zwei Juden, und zwar den Besitzer der Musikalienhandlung Max Liebers und einen zweiten namens Wolf, beide waren krank und sehr betagt. Nach zwei bis drei Tagen hat die Polizei die beiden Juden wieder abgeholt. Wie mir vor einigen Tagen Rechtsanwalt Grumbach (Überlebender des KZ Gurs) mitteilte, kamen die beiden Juden nach Geislingen und sind dort getötet worden.“

 

 

STOLPERSTEIN-Verlegung für MAXIMILIAN LIEBERS  im Juli 2003.

 

Quellen:  1, 2, 3, 7, 8, 10, 12, 28, Ergänzungen 2016

 

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