STOLPERSTEINE IN FREIBURG

LYDIA BLOCH

Bei der Verlegung dieses Stolpersteins am 29.Januar 2003 - einer der ersten Verlegungen in Freiburg überhaupt - war es sehr schwierig, den richtigen Platz zu finden und Strom für den Bohrhammer zu bekommen. Dieser Stein liegt ganz einsam.

LYDIA BLOCH, geborene Haberer, wurde am 12.Januar 1899 in Friesenheim geboren. Sie war verheiratet mit dem Bäckermeister MEIER FRIEDRICH BLOCH, der seine Bäckerei in der Breisacher Straße 15 (heute Colmarer Straße 8) hatte. Gemeinsam hatten LYDIA und MEIER FRIEDRICH BLOCH eine Tochter, Gertrude, auch Trude, Trudel oder Trudi genannt.

"Trude ist in Freiburg am 30.September 1923 geboren. ( ... ) Trude verbrachte den Krieg in den Lagern Gurs, Rivesaltes (und dann versteckt) in Le Chambon-sur-Lignon (dieser Ort hatte mehr als 5.000 jüdische Menschen versteckt und gerettet M.M.) und Vichy, wo sie Krankenschwester lernte." Das berichtete ihre damals in den USA lebende Cousine Renate (Renee) Haberer-Krauss. Trude Bloch wurde gerettet, heiratete und hatte vier Kinder und sechs Enkelkinder. LYDIA BLOCH  wurde am 22.Oktober 1940 zusammen mit ihrem Mann MEIER FRIEDRICH BLOCH und der damals 17 Jahre alten Gertrude in das Camp de Gurs deportiert, wo sie zwei Jahre leben musste. Am 14.August 1942 wurde LYDIA BLOCH zusammen mit ihrem Mann über das KZ Drancy mit dem Konvoi Nr. 19 in das KZ Auschwitz weiterdeportiert. Dort wurde sie im Alter von 43 Jahren ermordet.

Ihre Nichte beschreibt LYDIA BLOCH wie folgt:

"Lydia Bloch - sie war die älteste Schwester meines Vaters - hatte rötlichblonde Haare, große blaue Augen und ein nettes Gesicht. Sie war ungefähr 1,65 Meter groß und ein bisschen pummelig. Sie hatte eine besonders schöne Haut, sie brauchte keine Brille, war sehr freundlich, sehr energisch. sehr temperamentvoll, sehr hilfsbereit, sehr klug, sehr geschickt und sehr beliebt. Sie war eine wunderbare Köchin und Konditorin. Sie war sehr gastfreundlich und sehr großzügig. Selbst wenn Juden nichts mehr zu essen hatten, konnte sie aus nichts was kochen und wir saßen nie am Abendbrot, ohne dass ein armer Fremder dabei saß. Im Lager half sie den alten Leuten. Mein Papa (er war in der Résistance - Widerstand in Frankreich - und konnte so seine Familie retten, M.M.) hätte sie (seine Schwester) aus dem Lager (Gurs) bringen können, aber nicht Onkel Friedrich, so ging sie mit ihrem Mann in den sicheren Tod."

Dass der STOLPERSTEIN für LYDIA BLOCH fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der Verlegung von der Nichte Renate Haberer-Krauss und ihrem Mann besucht wurde, war für alle Beteiligten eine große mit Trauer vermischte Freude. Der Stein ist jetzt nicht mehr einsam.

  • Stolpersteinverlegung für LYDIA BLOCH im Januar 2003

Quellen: 1, 2, 3, 4, 7, 8, 10

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