STOLPERSTEINE IN FREIBURG

 

DR.HANS POLLOK

230 | Günterstalstraße 32, 79100 Freiburg (A)

DR.HANS (Ludwig) POLLOK (auch Pollock) wurde am 31. Dezember 1873 als Louis Isidor Pollok in Freiburg geboren. Seinen Vornamen ließ er am 4. Januar 1898 in HANS Ludwig ändern. Seine Eltern waren Salomon Pollok, geboren am 14. April 1834 in Rust, gestorben am 2. Dezember 1899 in Freiburg, und Pauline Pollok, geborene Weiß. Sie kam am 14. November 1839 in Altdorf zur Welt und starb am 18. Juni 1912 in Freiburg.

 

HANS POLLOKs Eltern waren die erste jüdische Familie, die sich in Freiburg niederließ, nachdem erst 1862, nach etwa 300 Jahren, auch Juden wieder erlaubt wurde, innerhalb der Stadtgrenzen zu wohnen. 1864 erhielt Salomon Pollok das Bürgerrecht in Freiburg und betrieb in den folgenden Jahren als Kaufmann mehrere Geschäfte, unter anderem als „Kleidermacher mit Verkaufslokal“ ein „Herrenkleider- und Damenmäntel-Magazin“, vorübergehend mit Schuhwarenhandlung. Sein Sohn DR.HANS POLLOK arbeitete in Freiburg als Arzt für Haut­ und Harnkrankheiten. Er war verheiratet mit Alice Pollok, geboren als Alice Goldschmidt 1903 in Straßburg. Die beiden hatten zwei Söhne, Heinz und Walter Pollok. Außer seiner Tätigkeit als Arzt engagierte sich Hans Pollok in verschiedenen Vereinen, wo er zum Teil auch Führungspositionen bekleidete. Einer davon war die Freiburger Große Karnevalsgesellschaft (siehe Helau und Heil Hitler, Quelle 53), in der er dann, nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten, zum Rücktritt gezwungen wurde. Mit seiner Familie wohnte er in der damaligen Adolf-Hitler-Straße 318, heute Günterstalstraße 32. Im Herbst 1935 wurde er durch die Freiburger Nazis gezwungen seine Praxis zu „verkaufen“. Am 10. November 1938 wurde Hans Pollok nach der Reichspogromnacht verhaftet und in das KZ Dachau deportiert. Dort bekam er die Gefangenennummer 22623 und musste sein Bargeld in Höhe von 29,75 Reichsmark abgeben. Bis Dezember 1938 wurde er in Dachau festgehalten und erkrankte dort an Tuberkulose.

 

Nach seiner Freilassung kehrte er zurück nach Freiburg. Er erholte sich aber nicht mehr von den Folgen der Tuberkulose, an denen er am 10. März 1939 starb. Seine Frau war während seiner KZ-Haft in die USA geflohen. Die Urne mit Hans Polloks Asche wurde in die Vereinigten Staaten überführt und in New York beigesetzt.

 

 

Erste Stolpersteinverlegung für  DR.HANS POLLOK im Oktober 2005. Der Stein wurde durch Bauarbeiten in der Günterstalstraße verletzt. Keine der sieben Baufirmen fühlte sich dafür verantwortlich und es wurden auch keine Kosten für den Ersatzstein übernommen. Der neue STOLPERSTEIN wurde im April 2013 zur Erinnerung an DR.HANS POLLOK verlegt.

 

 

Quellen:   1, 6, 7, 8, 17, 39, 53

 

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