STOLPERSTEINE IN FREIBURG

 

 

HANS ARNO JOACHIM

123 | Friedrichstraße 54, 79098 Freiburg | (A)

HANS ARNO MAX JOACHIM wurde am 3. Mai 1902 in Freiburg geboren. Seine Eltern waren DR. med. HERMANN JOACHIM und Emilie Joachim, geborene Roos. Er hatte einen Bruder, Kurt Karl Joachim, der Medizin studierte. HANS ARNO JOACHIM war Schüler des Bertoldgymnasiums. Die Familie lebte in der Friedrichstraße 26 (heute Friedrichstraße 52) im dritten Stock. Dort wäre er fast während des Luftangriffs auf Freiburg durch ein Luftschiff am Abend des 27. Januar 1916 verschüttet worden (Quelle 64, S. 35). HANS ARNO JOACHIM studierte mit Unterbrechungen in Freiburg Germanistik, Philosophie und Philologie. Er beschäftigte sich intensiv mit Literatur und war unter anderem befreundet mit Alfred Kantorowicz und Peter Huchel. Er wird als selbstbewusst beschrieben, ohne arrogant oder dünkelhaft gewesen zu sein. Andererseits war er sensibel und hatte, wie eine ehemalige Hausbewohnerin aus der Kindheit, Hannah Ruh, erzählte, „eine zarte, verletzliche Seele“, die er jedoch zu verbergen wusste (Quelle 36, S. 466). Er schrieb Texte und gilt als Erfinder der Hörspiele, versuchte sich als Dramaturg und Literaturkritiker. In einem Essay schrieb Hans Arno Joachim: „Am Anfang unserer Welt war der Weltkrieg. Und als der Ausnahmezustand des Friedens verhängt wurde, sah man uns in die außerordentliche Lage versetzt, die Welt aufs neue anzufangen. ( ... ]) Wir hatten Ursache, von der Vergangenheit Abstand zu nehmen.“ (ebd., S. 468ff.).

 

HANS ARNO JOACHIM floh 1933 nach Paris, zusammen mit seiner Frau Gerta Joachim. Dort versuchten sie eine Weile, mehr schlecht als recht zu leben. Mit Kriegsbeginn wurde er als Deutscher in Frankreich - wie alle „feindlichen Ausländer“ - interniert. Gerta Joachim jedoch ließ man fliehen. HANS ARNO JOACHIM lebte in dem kleinen südfranzösischen Küstenort Sanary, wie viele Flüchtlinge. Es gab kaum Visa für eine Ausreise, aber viele Razzien. Er verfügte über Kontakte in die USA und hoffte lange Zeit, dass ihn und seine Frau die Aufenthaltsgenehmigungen, sogenannte Affidavits, noch rechtzeitig erreichten. Sein letzter Brief vom 1. Mai 1941 schließt: „Die Hoffnung, die ich mir hier nicht mehr leisten kann und die zum nackten Leben notwendig wäre, ist mit Dir abgefahren, lieber Alfred (Kantorowicz, M.M.). Ich umarme Euch. Jo“ (ebd., S. 473).

 

HANS ARNO JOACHIM ist am 15. Februar 1944 in das Gefangenenlager Brignoles (Var) eingeliefert und von dort am 13. März 1944 in das KZ Drancy deportiert worden (ebd.). Mit dem Konvoi Nr. 70 vom 27. März 1944 ist er in das KZ Auschwitz deportiert worden. Dort ist er im Alter von 42 Jahren ermordet worden.

 

Der sich deiner erinnert, mein Gott

Zu Freiburg einer Stadt, welche gelegen ist an drei Quellen

Und nun mehr ein Fremdling geworden ist

im Lande Deutschland

wie seine Großväter waren in Ägypten und

seine Väter in Babylon.

 

 Hans Aron Joachim, Schriftsteller

 

 Wahrscheinlich unterschrieb HANS ARNO JOACHIM dieses Gedicht bewusst mit dem Namen ,Aron‘ (Fährmann in die Unterwelt, M.M.) vor seiner Flucht 1933 aus Nazi-Deutschland. Offiziell heißt es, er sei verschollen. Auf HANS ARNO JOACHM sind wir durch den Freiburger Stadtrat und Rechtsanwalt Michael Moos aufmerksam gemacht worden, der auch seinen STOLPERSTEIN finanziert hat.

 

 

Stolpersteinverlegung für HANS ARNO JOACHIM im April 2003.

 

Quellen:   1, 2, 5, 36, 64

 

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