STOLPERSTEINE IN FREIBURG

 

HANNA REICHMANN

231 | Nußmannstraße 3, 79098 Freiburg (A)

 

HANNA REICHMANN wurde am 19. November 1924 in Freiburg geboren. Sie lebte mit ihren Eltern IGNAZ  REICHMANN und MARIE REICHMANN und den drei Schwestern Gertrude, Saly Erna und Gella Mina 1933 in der Nußmannstraße 3 in Freiburg. Hanna war die jüngste. 1939 floh sie gemeinsam mit ihren Eltern nach Belgien. Sie wurde gefasst, nach Auschwitz deportiert und dort im Alter von 18 Jahren ermordet. In der Geschichte der Stadt Freiburg ist dem erschütternden Schicksal der Familie ein Absatz gewidmet:

 

„Ignatz Reichmann, ehemaliger Inhaber eines Herrenkonfektionsgeschäftes in der Nußmannstraße 3, war nach der Pogromnacht ebenfalls nach Dachau verschleppt worden. Als er mit kahlgeschorenem Kopf, gehetzt und in ständiger Angst, zurückkehrte, drang er darauf, mit der Familie auszuwandern. Doch das Geld reichte nicht. Schließlich erhielt seine Tochter Trudi immerhin ein Visum, das es ihr ermöglichte, am 26. August 1939 als Dienstmädchen nach Belgien zu gehen, wo bereits ihre verheiratete ältere Schwester lebte. Am 1. September gelangte sie weiter nach England. Dort fand sie Arbeit als Dienstmädchen, dann als Fabrikarbeiterin. Der Vater war inzwischen illegal in die Schweiz geflüchtet. Nach zwei Wochen wurde er dort ,aufgegriffen‘ und, da er keine gültigen Papiere besaß, wieder nach Deutschland abgeschoben. Noch einmal konnte er fliehen, diesmal nach Belgien. Seine Frau Marie und die jüngste Tochter Hanna folgten ihm. Die Überfahrt nach England wurde organisiert. Das Schiff stand bereit, die ältere Tochter befand sich mit ihrem Mann, einem polnischen Juden,  bereits an Bord. Doch die Eltern kamen nicht: eine Gehbehinderung (von Ignatz Reichmann, wohl als Folge der erlittenen KZ-Haft, M.M.) hatte sie länger aufgehalten als gedacht. Tochter und Schwiegersohn gingen wieder an Land, um sich um sie zu kümmern. Das Schiff fuhr ohne sie ab. Dann besetzten die Nazis auch Belgien. Während sich die ältere Tochter mit ihrem Mann nach Frankreich retten konnte, schrieb Hanna eines Tages ihrem Cousin in die Schweiz: »Leider muß ich dir mitteilen, dass man meine lieben Eltern Donnerstag früh, während ich bei der Arbeit war, weggenommen hat. ( ... ) Sie sind G.s.D. (Gott sei Dank, M.M.) gesund, fahren weiter, wissen aber noch nicht wohin. ( ... ) Ganz allein bin ich jetzt.« Am 10. Oktober 1942 wurden Ignatz und Marie Reichmann nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Hanna entging dem Schicksal der Verschleppung ebenfalls nicht. Vermutlich kam sie wie ihre Eltern nach Auschwitz und fand dort den Tod. (Quelle 54, S. 335)

 

Der Bericht aus dem Jahr 1989 stammt von Trude Boyar, geborene Reichmann, die die Nazi-Zeit überlebt hat.

 

 

Stolpersteinverlegung für HANNA REICHMANN im Juli 2004.

 

Quellen:  1, 2, 4, 5, 7, 8, 10, 12, 54

 

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