STOLPERSTEINE IN FREIBURG

 

 

DR.ELSE HAMBURGER

109 | Karlsruher Straße 2, 79108 Freiburg | (A)

DR.ELSE (auch Elsa oder Ilse Grete) HAMBURGER war die Tochter von Bona Hamburger, geborene Levi, die am 1. Januar 1929 starb, und FRITZ HAMBURGER. Sie hatte den Bruder Werner Joachim Hamburger (*23. Mai 1916 in Freiburg). Er wanderte im Februar 1938 aus und lebte später in Louisville/USA. DR.ELSE HAMBURGER  wurde am 17. April 1904 (auch 1903 möglich) in Freiburg geboren. Sie war Kunsthistorikerin, Lehramtsassistentin und Hilfslehrerin. Sie wurde 1926 in Kunstgeschichte promoviert und unterrichtete an der Mädchenrealschule Freiburg. Zusammen mit ihrem Vater und ihrem Bruder wohnte sie in der Karlsruher Straße 2 im zweiten Stock. Durch das nationalsozialistische Gesetz vom 18. April 1933 zur sog. „Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ wurden in Deutschland alle Beamte, die die jüdische Religion hatten, entlassen, so auch DR.ELSE HAMBURGER. Ab Oktober 1939 unterrichtete sie an der Jüdischen Schule in Freiburg im Jüdischen Gemeindehaus, Werthmannplatz 1. Sie wurde dort als Lehramtsassessorin a.D. DR.ELSE„Sahra“ (Zwangsname den die  Nazis Menschen mit jüdischer Religion gaben um diese sofort kenntlich zu machen) HAMBURGER bezeichnet (Quelle 61, s. 50).

 

Am 22. Oktober 1940 wurde sie verhaftet, zusammen mit ihrem Vater und 6.500 anderen Menschen, die die jüdische Religion hatten und in das südfranzösische KZ Gurs deportiert. Dort musste sie erleben, wie schon im ersten Winter ihr Vater an den völlig unzulänglichen Verhältnissen starb. Er war einer von rund 1.100 Internierten, die dem Hunger, der Kälte und den Krankheiten im Camp Gurs zum Opfer fielen. DR.ELSE HAMBURGER wurde, nach fast 2 schrecklichen Jahren in diesem Lager, 1942 in das KZ Drancy weiter deportiert. Von dort brachte man  sie am 10. August 1942 mit dem Konvoi Nr. 17 zusammen mit 1.005 anderen Gefangenen in das KZ Auschwitz-Birkenau. Von diesem Deportationszug hat nur ein einziger Mann das Ende des Nazi-Terrors erlebt. DR.ELSE HAMBURGER wurde in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. Sie wurde 38 Jahre alt.

 

Bei der STOLPERSTEINverlegung war es sehr schwierig, in dem Haus Strom für die Maschinen zu bekommen, mit denen das 10 x 10 x 10 Zentimeter große Loch im Bürgersteig vorbereitet werden muss. Eine Hausbewohnerin äußerte, dass sie zunächst den Hausbesitzer fragen wolle, ob er etwas gegen die Steinverlegung habe. Er beschimpfte uns dann per Telefon und wollte sich bei der Stadt Freiburg über diese Aktion beschweren. Wie sich aber später herausstellte, hatte der Hausbesitzer fälschlicherweise verstanden, dass der Stein auf seinem Grund und Boden verlegt werden sollte und nicht wie üblich in den Bürgersteig vor dem Haus, also im öffentlichen Raum. Die Hausbewohnerin, 80 Jahre alt, hatte DR.ELSE HAMBURGER und ihren Vater, FRITZ HAMBURGER, noch gekannt. Sie selbst war in einem von Nazi-Gegnerschaft geprägten Elternhaus aufgewachsen und erinnerte sich an das Drama der Deportation für Vater und Tochter HAMBURGER.

 

 

Stolpersteinverlegung für DR.ELSE HAMBURGER im Oktober 2003.

 

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