STOLPERSTEINE IN FREIBURG

ALBERT ABRAHAM

ALBERT ABRAHAM wurde am 24. Februar 1867 in Sulzburg geboren. Er war verheiratet mit LINA ABRAHAM, geborene JOHL. Gemeinsam hatten sie sechs Kinder: Gustav (*1893), Selma, verheiratete Rothschild (*1895), FANNY, verheiratete GRUMBACHER (*15. März 1896 in Rust), Karl (*1897), Rudolf (*1902) und Martha, verheiratete Meier (*1904). Bis Ende der 1920er Jahre lebte die Familie in Rust, wo der Viehhändler ALBERT ABRAHAM auch ein Manufakturgeschäft betrieb. Als die antisemitische Hetze und die Bedrohungen auf dem Lande immer größer wurden, zogen sie Ende der 1920er Jahre nach Freiburg.

ALBERT und LINA ABRAHAM lebten dort in der Eisenbahnstraße 66 im zweiten Stock. In einem Verordnungsblatt der Israeliten ist vermerkt, dass ALBERT ABRAHAM mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet wurde.

Als die Demütigungen gegenüber Menschen mit jüdischer Religionszugehörigkeit auch in Freiburg zunahmen flohen die ABRAHAMs 1934, zusammen mit Kindern, Schwiegerkindern und Enkeln nach Frankreich. Bis zu 19 Personen zogen in das Schloss Ste. Radegonde in Chênehutte-les-Tuffeaux im Loire-Tal ein. Dieses „Schloss“, bei dem es sich eher um ein sehr heruntergekommenes Landhaus handelte, kauften sie u.a. mit Hilfe ihrer Tochter Selma, die mit dem Schweizer Samuel Rothschild verheiratet war und mit ihm drei Kinder hatte: Hans (*1920), Jula (*1922) und Fritz (*1924). Auch Dr. Josef Weill aus Straßburg unterstützte die Flüchtlinge. Er war Widerstandskämpfer und rettete mehrere hundert jüdische Kinder vor der Deportation.

Die Familien ABRAHAM, GRUMBACHER, Rothschild und Meier jedoch konnten den Nazis nicht entkommen: Anfang 1942 wurde das Gut Ste. Radegonde „arisiert“ und unter Zwangsverwaltung gestellt. In der Nacht vom 15. auf den 16. Juli 1942 drangen die Gestapo und zwei französische Polizisten in das Haus ein und verschleppten alle außer den Großeltern ALBERT und LINA ABRAHAM und der kranken Schwiegertochter ERNY ABRAHAM. Auch Selma Rothschild, die Schweizer Staatsbürgerin war, wurde verhaftet.

Am 16. Juli brachte man ALBERT ABRAHAM und seine Frau LINA ins Sammellager nach Angers. Am 17. Oktober 1942 deportierte man sie in das KZ Drancy. Von dort wurden sie weiter deportiert mit dem Transport Nr. 42 in das KZ Auschwitz. Von den 1.000 Menschen dieses Transportes wurden 773 direkt nach der Ankunft in den Gaskammern ermordet. Offiziell galt ALBERT ABRAHAM als verschollen, aber es ist sicher, dass er im Alter von 75 Jahren im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet wurde. Von den Kindern aus Ste. Radegonde überlebte nur Hans Rothschild, der zur Zeit der Verhaftungen in der Schweiz seinen Militärdienst ableistete. Er konnte in die USA fliehen. Sein Onkel Rudolf Abraham, der rechtzeitig in die USA  geflüchtet war, suchte nach dem Krieg vergeblich in Deutschland nach seiner Familie. Nur sein Bruder Gustav Abraham hatte den Krieg ebenfalls überlebt. Alle anderen waren in Auschwitz ermordet worden.

  • Stolpersteinverlegung für ALBERT ABRAHAM im Oktober 2005.

Quellen:  1, 2, 5, 8, 12, 14, 16, 32, 33, 34, 35

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